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12-10-2007 Beijing Rundschau
Xi'an - Chinas Tor zum Westen
von Ricky v. Kanne
Wir sind dann gleich weiter in Richtung Terrakotta-Armee gefahren. Um zu dem eigentlichen Eingang der Anlage zu gelangen, mussten wir zunächst durch eine Art Einkaufsstraße laufen, die rechts und links von großen Geschäftsgebäuden, die zum größten Teil leer standen, umgeben war. Natürlich waren viele Menschen dort, aber es war nicht so schlimm, wie erwartet, und als wir uns nach ungefähr einer Viertelstunde durch Stände und Bürogebäude durchgeschlagen hatten, wurden wir mehr als belohnt: in der ersten Halle, der Haupthalle, standen uns in ordentlicher Reihe mehrere hundert Soldaten und Pferde gegenüber. 1974 wurde die Grabanlage zufällig von einem einheimischen Bauern, der einen Brunnen graben wollte, entdeckt. Vor ungefähr 2200 Jahren ließ der erste Kaiser der Qin-Dynstie (221-207 v.Chr.), Shi Huangdi, diese 8000 starke Tonarmee mit Pferden errichten, weil er sich, aus Angst vor dem Tod, das Leben im Jenseits nur als Fortsetzung des irdischen Lebens vorstellen konnte und auch dort wollte er nicht auf seine Armee verzichten. Gleich nach seiner Thronbesteigung ließ er mit dem Bau der Armee beginnen. Bemerkenswert ist, dass alle Figuren ein individuelles Gesicht, unterschiedliche Bemalungen, die sich leider an der Oberfläche durch eine chemische Reaktion auflösen, und verschiedene Gesten haben. Nur für die Körper scheint es eine gewisse stereotypische Vorlage gegeben zu haben.
Die Armee ist in drei Bereiche aufgeteilt, die heute alle in drei unterschiedlichen Hallen untergebracht sind. Die Aufstellung und Verteilung ist der damaligen Kampfaufstellung nachempfunden, die sich aus drei Teilen und dem Gefechtsstand zusammensetzte. In der zweiten Halle kann man gelegentlich Archäologen bei der Restauration von Figuren zusehen und in der dritten Halle befindet sich der Kommandostand der Armee. Zu erkennen sind die Ränge der Soldaten und Offiziere an den Frisuren und den Mützen. Ein weiteres Highlight bietet die Museumshalle, in der zwei restaurierte Vierspänner und einige Bronzefunde, die neben dem Grabhügel gefunden wurden, ausgestellt sind. Die Tonarmee ist auf jeden Fall ein unglaubliches, geschichtliches Werk. Sie ist Zeuge dafür, wie weit China bereits zu vorchristlichen Zeiten entwickelt war. Nicht nur in ihrer Kampfkunst, sondern besonders auch in Fingerfertigkeiten und Herstellung von eben solchen Denkmälern, die fein und detailgetreu angefertigt wurden. Dann ging es wieder in die Innenstadt, die sehr viel zu bieten hatte. Den Trommelturm in Xi’an zu „besteigen“ ist ein besonderes Erlebnis, weil dort jeden Tag ein kostenloses „Konzert“ von Trommlerinnen und Trommlern im Inneren des Turmes stattfindet. Das ist ein sehr bemerkenswertes Erlebnis, denn durch das Konzert wird eine besondere Atmosphäre in dem 1370 erbauten Gebäude erzeugt. Sehr schön ist, dass man von dem Turm aus die gesamte Stadt und alle vier Stadttore überblicken kann. |
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