23-11-2007 Beijing Rundschau
Wer von Gärten spricht, meint Suzhou
von Zeng Wenhui
 
Der Garten des Meister der Netze (Wangshiyuan)
 
Suzhou, altberühmte Stadt mit 2500-jähriger Geschichte, wurde schon vor 700 Jahren von Marco Polo als „Venedig des Ostens" gefeiert. Die Stadt ist weltbekannt für ihr von Wasserläufen durchzogenes Stadtgebiet und ihre schönen Gärten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Suzhou über 170 Gärten. Mehr als 60 von ihnen sind vollständig erhalten.
Die vier berühmtesten Gärten - der „Garten des Bescheidenen Beamten", der „Garten des Verweilens", der „Löwenwald" und der „Garten des Meisters der Netze" - sowie drei weitere Gärten wurden von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
 
Die Gärten legen Zeugnis ab vom Geschmack und dem Lebensstil ihrer Erbauer. Im alten China nutzten die Menschen die faszinierenden Räume der Gärten, um sich zu unterhalten und sich an der Landschaft zu ergötzen. In Gärten konnte man geschäftliche Angelegenheiten erledigen, Tee trinken, Gedichte vortragen, Schattenspiele aufführen, Bilder malen, und Bankette abhalten. Jeder Stein, jeder Baum im Garten hat eine tiefere Bedeutung, jeder Garten ist ein Gesamtkunstwerk aus Gebäuden, Landschaften, Blumen und Bäumen.
 
Die Gärten in Suzhou haben Naturlandschaft, Kunst und Kultur perfekt miteinander verschmolzen. Sie waren zum Großteil im Besitz von Beamten, wohlhabenden Händlern und Literaten und waren an deren Wohnhäuser angebunden. So standen Wohnräume, Hallen und Lesezimmer neben schönen Gartenlandschaften aus Felsen, künstlichen Gewässern und Pflanzen, zwischen denen sich Pavillons, Korridore und Terrassenhäuser fanden. Die Eigner dieser Gärten waren entweder selbst Gelehrtenmaler oder Mäzene, die sich mit Künstlern umgaben. Sie beteiligten sich immer selbst an der Planung ihrer Gärten, so sind die Gärten in Suzhou meist nicht nur reich an Schönheit, sondern auch an Poesie.
 
Die Gärten spiegeln die Lebensauffassung ihrer Besitzer und Erbauer wider. Wir erfahren dort etwas über ihre ethischen Werte, ihren Geschmack und ihren Sinn für Schönheit. Die Fläche der Gärten war meistens nicht besonders groß, aber die Besitzer bemühten sich darum, die Gestalt einer Naturlandschaft nachzuahmen. Mit dem Unterfangen, mitten in der Stadt die Kopie eines Gebirgswalds anzulegen, drückte der Besitzer seinen Wunsch aus, Zuflucht zu finden vor den Wirren der Welt. In der Ruhe einer natürlichen Landschaft wollte er ungestört seinen Frieden genießen.


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