23-11-2007 Beijing Rundschau
Wer von Gärten spricht, meint Suzhou
von Zeng Wenhui

Der Löwenberg im „Löwenwald'

Der Garten des Verweilens (Liu Yuan)

 

Der Garten des Verweilens ist für einen Privatgarten ziemlich groß. Der Haupteingang liegt vierzig Meter vom Garten entfernt, eingezwängt zwischen zwei Gebäuden. Dann folgen drei Höfe, die durch einen zickzackförmigen Wandelgang miteinander verbunden sind. Hinter dem Eingangstor gelangt man über den Korridor zum zweiten, mit Büschen bewachsenen Hof. Weiter erreicht man den dritten Hof, in dem sich die kräftigen Äste und Blätter eines alten Baums an die Wände schmiegen. Am Ende des Wandelgangs steht eine kleine Halle, deren Wände mit Auslassungen und Fenstern versehen sind. Die Halle, der Wandelgang und die Mauern bilden verschiedenartige Räume, in denen sich Hell und Dunkel, Groß und Klein abwechseln, und bieten mit der Baumszenerie und den Blumenarrangements ein Besuchserlebnis voller Witz und Ironie.

 

Der Garten ist in vier Teile gegliedert: Mittel-, Ost-, West- und Nordabschnitt. Der Mittelteil ist die Hauptattraktion, hier kann man hauptsächlich Landschaft mit Bergen und Seen genießen. Im Osten gibt es die berühmte Stelle „Drei Berggipfel des Garten des Verweilens". Es handelt sich dabei um drei sonderbare Steine: Guanyun, Ruiyun und Youyun. Guanyun steht in der Mitte, und ist der berühmteste. Er ist neun Meter hoch und der größte Fels in Suzhou. Im Westen ist die Landschaft von dörflichem Idyll. Hier werden Bambus, Weinreben und die Chinesische Glyzinie (Wisteria Sinensis) gepflanzt. Im Westen ist der höchstgelegene Teil des Gartens. Es gibt viele künstliche Berge auf denen Amberbäume wachsen.

 

Der „Löwenwald" (Shizi Lin)

 

Der Löwenberg im „Löwenwald" gab dem Garten seinen Namen. Der Berg ist aus den porösen Steinen aus dem Taihu-See nahe Shanghai und Suzhou aufgeschichtet und von Schluchten durchzogen. Seine Form erinnert an ein Rudel hockender Löwen und Löwen, die zum Sprung ansetzen. Auf dem Berg sind eine Höhle und ein Pfad angelegt, der sich in steilen Kehren auf den Gipfel windet. Geht jemand auf ihm, erweckt dies von weitem den Eindruck, als ob er sich mit den Tieren vermischen würde.

 

Der Garten des Meister der Netze (Wangshi Yuan)

 

Mit bloß 0,4 ha ist der Garten des Meister der Netze nur ein Zehntel so groß wie der Garten des Bescheidenen Beamten. Aber er enthält viele Gebäude und diese wirken keinesfalls zusammengedrängt. Die Berge und Seen erscheinen trotz ihrer geringen Ausmaße nicht klein. Unter Suzhous Gärten ist er ein Musterbeispiel für die Kunst des Minimalismus.

 

Das New Yorker Metropolitan Museum of Art richtete 1981 den Astor Court ein, in dem das Fragment eines Pavillons zu sehen ist, der nach dem Vorbild der „Kleinen Stube des Frühlingsendes" (Dian Chun Yi) im Wangshi Yuan gestaltet ist. Der Astor Court suggeriert einen chinesischen Garten und ist ein wichtiger Bestandteil der Sammlung ostasiatischer Kunst des Hauses.

 

Der Garten wurde von 1131 bis 1162 während der Song-Dynastie gebaut. Er ist so angelegt, dass die Wohngebäude im Osten liegen, der Garten aber im Westen liegt. Die Besitzer verlangten nach einer größeren architektonischen Vielfalt. Die zahlreichen Bauwerke im Garten stehen dicht beieinander, aber sie wirken nicht gedrängt und strahlen Stille und Eleganz aus.

 

Der Weiher, auf allen Seiten von Gebäuden eingerahmt, ist das Herzstück des Westteils. Er ist rund 20 m lang und ebenso breit. Der Erbauer des Gartens ordnete die dicht am Wasser stehenden Gebäude sehr geschickt an. Durch eine abwechslungsreiche Architektur aus Korridoren und Pavillons ist die Aussicht von beiden Seiten des Weihers völlig verschieden. In der Nordwest- und Südostecke verengt sich das Wasser zu schmalen Bächen und kleinen Buchten, über die sich Steinbrücken spannen. Hier befinden sich Zu- und Abflüsse des Weihers, über die das stehende Gewässer mit Frischwasser versorgt wird. Kleine Felsen umranden an diesen Stellen die Wasserfläche. Mit Hilfe weniger Pavillons entsteht in Verbindung mit der Vegetation eine äußerst natürliche, wilde Landschaft.

 
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