21-12-2007 Beijing Rundschau
Shanghai, die „aufregendeste Stadt der Welt"?
von Jens Höfling

Wenn man das erste mal nach Shanghai reist, ist jeder zuerst überwältigt.

 

Wolkenkratzer neben Wolkenkratzer, Superlative an Superlative. Manche Straßen auf Stelzen sind höher als gewöhnliches Bürogebäude. Der Shanghai Financial Tower ist in der Bauphase. Mit seinen 492 Metern wird er zu einem der höchsten Gebäude der Welt heranwachsen. Ebenfalls gigantisch ist der Tiefseehafen. Er gehört zu den Bedeutesten der Welt. Zudem ist die Stadt mit seinen über 18 Millionen Einwohnern eine der größten Städte weltweit. Dennoch: Trotz all dieser Superlativen und Höchstleistungen fehlt der Stadt etwas: Persönlichkeit.

Die Metropole Shanghai liegt im Südosten Chinas, direkt an dem Fluss Huangpu, der sich durch die Stadt schlängelt. An der Uferpromenade, dem sogenannten Bund, reihen sich prunkvolle Bauten aus der Kolonialzeit aneinander. In den ehemaligen Wohnsitzen der Kolonialherren sind heute Niederlassungen nationaler und internationaler Banken. Der bewölkte Himmel lässt nur die erste Reihe, der auf der anderen Uferseite hervorstechenden Wolkenkratzer erkennen. Die Spitze des Wahrzeichens der Stadt ist wolkenbedeckt: der Oriental Pearl Tower mit seinen 462 Metern im Stadtteil Putong. Auf der Promenade herrscht an diesem Montagmorgen wenig Betrieb. Man trifft lediglich einige mit Hightechkameras ausgestatte Touristen, ein paar Businessleute in ihren teuren Anzügen sowie engumschlungene Paare, die sich nicht von dem schlechten Wetter abschrecken lassen. Auf dem Fluss schippern Lastenkähne sowie Touristendampfer aller Größenordnungen. Manche sind so verrostet, dass man meinen könnte, sie seien noch aus der Kolonialzeit. Andere wiederum tragen riesige leuchtende Werbeflächen als Last und bilden die perfekte Symbiose zur Hightech-Wolkenkratzer-Fassade im Hintergrund.

Am Ufer befinden sich Unmengen an westlichen Restaurants. Auch sie wollen ihr Stück vom Erfolg der Stadt, der einem überall entgegen schlägt, auch wenn die Gegend rund um den Strom Huanpou zu den ruhigeren zählt. In den übrigen Stadtteilen links und rechts des Flusses regiert Konsum im Überfluss. Jedes der mehr als 3 000 Hochhäuser beherbergt ein Stück wirtschaftlichen Aufschwung. Überall in der Stadt wurden riesige Einkaufstempel alla Gucci & Co in den Erdboden gestampft. Die engen Straßenläufe sind voll von deutschen und amerikanischen Luxuskarossen, meist in schwarz oder silber – die Farben des neuen modernen und seriösen Chinas.

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