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Von wegen Abstellgleis: Junge NVK-Abgeordnete bringt Senioren auf Catwalk und TikTok |
| Wang Ruying · 2026-03-03 · Quelle:cdd-online.com.cn |
| Stichwörter: Seniorenheim:NVK |
Letzte Station mausgraues Seniorenheim? Von wegen!
In einem Pflegeheim im Bezirk Aba auf dem Hochplateau in Sichuan geht es bunt zu. Hier vertreiben sich die Senioren den Tag mit Dingen, die man eigentlich eher jüngeren Semestern zutrauen würde: Sie nehmen TikTok-Videos auf, testen hippe Snacks und die neuesten Nagellacktrends. Begleitet und beraten werden die betagten Hipster dabei von einer jungen Frau der Generation der Millennials: Geshe Wangmo, Chinesin, NVK-Abgeordnete und Angehörige der Volksgruppe der Tibeter. Mit ihrem quirligen Temperament trägt sie dazu bei, dass die Bewohner der von ihr geleiteten Alteneinrichtung nicht nur gut versorgt sind, sondern auch jede Menge „Fun“ haben.
Geshe Wangmo wurde im Jahr 2023 zur Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses gewählt. In der Hauptstadt punktet sie mit ihrem reichen Erfahrungsschatz aus der Praxis: Seit knapp zwei Jahrzehnten wirkt die junge Frau nun schon an der Basis der Gesellschaft, hat das Leben vieler älterer Menschen bereichert. In diesem Jahr hat sie ihre Ideen zum Thema Altenpflege auf der NVK-Tagung 2026 in Beijing eingebracht.
Geshe Wangmo in traditioneller tibetischer Tracht vor der Großen Halle des Volkes in Beijing während der NVK-Tagung 2025 (Foto: Interviewpartnerin)
Von einer Gepflegten zur Pflegeheimleiterin
17 Jahre ist es nun her, dass Geshe Wangmo ihre Arbeit im Altenheim der Stadt Maerkang aufnahm. Damals war sie gerade einmal 18 Jahre alt. Und der Lebensweg, der sie dort hinführte, war alles andere als gewöhnlich.
Im Alter von sechs Jahren verlor das Mädchen auf tragische Weise beide Elternteile bei einem Erdrutsch. Unter der gemeinsamen Obhut des örtlichen Sozialamtes und ihrer Tante verbrachte sie dennoch eine gesunde und glückliche Kindheit. Als Erwachsene hat sie nie vergessen, welche Wärme ihr die Gesellschaft in diesen dunkelsten Stunden entgegengebracht hat. Sie wollte die Fürsorge, die sie als Kind erfahren hat, stets zurückgeben. Als 2009 das Pflegeheim in Maerkang gegründet wurde, war das für sie wie ein Zeichen. Rasch stand fest, dass sie dort als Pflegerin arbeiten wollte.
Die praktische Arbeit erwies sich jedoch schwieriger als gedacht. Insbesondere bei der Pflege von Senioren mit körperlichen Einschränkungen oder psychischen Leiden fühlte sich Geshe Wangmo oft überfordert. In der Anfangszeit habe sie, damals jung und unerfahren, sogar öfter mit dem Gedanken gespielt, einfach das Handtuch zu werfen, erzählt sie. „Aber als ich die Hilflosigkeit der alten Menschen sah, brachte ich es einfach nicht übers Herz.“ Sie biss sich durch, mehrte eifrig ihr Fachwissen, erwarb eine Qualifikation in der Altenpflege. Nach und nach fand sie Pflegeansätze, die den Senioren entsprachen. „Mit der Unterstützung und Ermutigung meiner Kollegen habe ich durchgehalten“, reflektiert Geshe Wangmo.
Spendet Wärme im doppelten Sinne: Geshe Wangmo hat einer Seniorin neue Schneestiefel mitgebracht. (Foto: Interviewpartnerin)
Heute ist die junge Frau zur allwissenden „Dame für alles“ des Pflegeheims gereift. Von der alltäglichen Versorgung der Senioren bis hin zum Reinigen von Abflüssen und dem Auswechseln von Glühbirnen – keine Aufgabe ist ihr zu schwer. Mit ihrer aufrichtigen Herzlichkeit hat sie sich längst einen festen Platz in den runzeligen Herzen erobert. Viele sagen offen: „Geshe ist wie unsere eigene Tochter.“
2019 übernahm Geshe Wangmo offiziell die Leitung des Pflegeheims von Maerkang. Seitdem hat sie ihre über zehnjährige Pflegeerfahrung in die tägliche Verwaltung des Heims eingebracht: Alle Pflegeabläufe wurden standardisiert, strenge Hygienestandards eingeführt, tägliche Zimmerrundgänge durch das Pflegepersonal sind heute Pflicht. Unter ihrer Leitung hat sich die Betreuung im Heim stetig verbessert. 2024 zog die Einrichtung mit Unterstützung von Partei und Regierung in neue Räumlichkeiten um, wurde in Pflege- und Rehabilitationsheim umbenannt.
Geshe Wangmo bemerkt dazu: „Mit dem Umzug hat sich die Infrastruktur erheblich verbessert. Gemeinsam mit dem Krankenhaus für tibetische Medizin des Bezirks Aba haben wir eine Ambulanz eingerichtet, sodass die Senioren medizinische Dienstleistungen in Anspruch nehmen können, ohne das Gelände verlassen zu müssen.“
Auf die Frage, was ihr die größte Erfüllung in ihrem Job bringe, antwortete sie schlicht und bescheiden: „Ich will einfach, dass es den Heimbewohnern gutgeht. Wenn sie ein glückliches und komfortables Leben führen können, ist das für mich die größte Erfüllung. Egal, wie anspruchsvoll die Arbeit auch sein mag, es lohnt sich einfach.“
Farbe in den mausgrauen Alltag bringen
Als Direktorin des Pflege- und Rehabilitationsheims kümmert sich Geshe Wangmo nicht nur um das körperliche, sondern auch um das seelische Wohl ihrer betagten Schützlinge.
Zunächst gründete sie Interessengruppen für die Senioren und frischte grundlegendes Schulwissen auf. Nach und nach entwickelte sie den Wunsch, den älteren Menschen, die hier hoch in den Bergen lebten, eine „Brücke“ zu den aktuellen Trends der Zeit zu schlagen. Sie sollten im Digitalzeitalter nicht mehr abgehängt sein. Zu diesem Zweck denkt sie sich nun täglich neue Aktivitäten aus, sprüht vor Ideen: Trendige Fingerübungen, Sporttage, regelmäßige Filmvorführungen, gemeinsame TikTok-Videoshootings und sogar altersgerechte Fashionshows. Mit ihrer Ermutigung nehmen die Senioren neue Erfahrungen an, bleiben am Ball, probieren Neues aus.
Senioren als Fashionmodels? Hierzu erklärt Geshe Wangmo, dass die Älteren ihr ganzes Leben lang sparsam gelebt und es nicht übers Herz gebracht hätten, sich attraktive, hochwertigere Kleidung anzuziehen. „Selbst die schönsten Kleidungsstücke blieben ordentlich gefaltet in den Schränken, während die Senioren in der Regel verblasste, abgetragene Outfits trugen“, sagt sie. „Mit der Modenschau wollte ich, dass sich die Heimbwohner einmal von ihrer besten Seite zeigen. Sie sollten Stars der Show und stolz auf sich selbst sein. Beim Gang über unseren Catwalk gab es großen Applaus und Jubel, die Senioren waren absolut begeistert. Es war lebhafter als beim chinesischen Neujahrsfest“, erinnert sich Geshe Wangmo und lacht von Herzen.
Da kann man schon mal schmunzeln: Diese Seniorin wurde von Geshe Wangmo für die Fashionshow in prächtigen tibetischen Traditionszwirn gehüllt. (Foto: Interviewpartnerin)
Geshe Wangmo ist wie eine „Kinderkönigin“, die eine Gruppe „älterer Jugendlicher“ leitet. Gelegentlich greift sie sogar in ihre eigene Tasche, um den Senioren Cola und würzige Snacks zu spendieren, damit ihre Schützlinge kulinarische Neuigkeiten probieren können, die bei der jüngeren Generation beliebt sind. „Alte Menschen haben genauso wie junge Menschen das Recht, neue Erfahrungen zu machen. Da sich ihr Leben dem Ende zuneigt, möchte ich, dass sie jeden Tag glücklich sind“, sagt sie.
Bitte lächeln! Geshe Wangmo lackiert den Heimbewohnerinnen auf dem Hochland die Nägel in trendigen Farben und führt sie so an neue Erfahrungen heran. (Foto: Interviewpartnerin)
Mit Wissen von der Basis ab nach Beijing
Der Titel als NVK-Abgeordnete, den sie seit 2023 trägt, brachte mehr Verantwortung für Geshe Wangmo mit sich. Sie konzentriert sich nun auf die allgemeine Situation der Altenpflege in den ländlichen Gebieten. Im März dieses Jahres ist sie seit vier Jahren im Amt und wird erneut an der jährlichen NVK-Sitzung in Beijing teilnehmen, um gemeinsam mit anderen Experten Vorschläge zur Verbesserung der Altenpflege in China zu unterbreiten.
In diesem Jahr werde sie sich auf die Bedürfnisse älterer Menschen fokussieren, die alleine auf dem Land verblieben seien. Auch die Beseitigung bestehender Mängel in der Altenpflege im ländlichen Raum stehe für sie im Zentrum, verrät sie. Ihre Vorschläge konzentrierten sich auf fünf Schlüsselaspekte: eine gezielte Anhebung der Rentenstandards, die Entwicklung lokaler Altenpflegemodelle, eine tiefere Integration von medizinischer Versorgung und Altenpflege, die Heranbildung lokaler Pflegekräfte und die Stärkung der Aufsichtsverantwortung.
„All diese Ideen sind inspiriert von praktischen Lösungen, die ich durch meine Arbeit an vorderster Front entwickelt habe“, erklärt Geshe Wangmo. „Ich hoffe, dass meine Vorschläge dazu beitragen, die Pflegeherausforderungen mit Blick auf zurückgelassene ältere Menschen auf dem Land wirksam anzugehen, sodass diese Leute zum Lebensabend gut versorgt sind und die nötige Unterstützung erfahren.“
Geshe Wangmo ist wie eine strahlende Galsang-Blume, eine typische Blumengattung des Qinghai-Xizang-Hochplateaus, ein Symbol für Freude und Glück in der tibetischen Kultur. Durch ihre Macherart erobert sie nicht nur die Herzen ihrer Schützlinge. Vielleicht wird ihr wertvolles Know-how in Zukunft auch dazu beitragen, vielen weiteren älteren Menschen im ländlichen Raum den Lebensabend zu versüßen.
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