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Realpolitik vom Feinsten: China und Deutschland verstärken Zusammenarbeit |
| Nils Bergemann* · 2026-02-28 · Quelle:german.chinatoday.com.cn |
| Stichwörter: China;Deutschland;Merz |
Friedrich Merz' Reise nach China war viel mehr Real- als Symbolpolitik, und sie war ein Erfolg. Mit der Wiederaufnahme regelmäßiger Regierungskonsultationen wird sich die „umfassende strategische Partnerschaft“ – das ist der chinesische Begriff für eine besonders enge, langfristig angelegte bilaterale Beziehung – definitiv vertiefen. Kooperationen können durch den schnellen Draht auf höchster Ebene schneller realisiert und Konflikte schon in der Anfangsphase entschärft werden. Institutionelle Kanäle sind in Zeiten globaler Spannungen sinnvoller als öffentlicher Schlagabtausch.
Hohe Wertschätzung beiderseits
Politische Rituale sind in Asien wichtig. Gerade in China geschieht nichts rein zufällig. Wenn in Beijing überall chinesische und deutsche Fahnen zu sehen sind und ein ausländischer Regierungschef den Staatspräsidenten Xi Jinping und den Ministerpräsidenten Li Qiang treffen darf, ist das nicht nur die Höchststufe des Respekts, sondern auch ein klares Signal von China, dass man viel zusammen vorhat.
Merz war der erste westliche Regierungschef, der nach dem chinesischen Neujahrsfest offiziell in China empfangen wurde. Die exklusive Führung durch die für andere Besucher gesperrte Verbotene Stadt, die sonst täglich von Zehntausenden besucht wird, signalisierte ebenfalls enorme Wertschätzung.
Der Kanzler kam mit einer 30-köpfigen Wirtschaftsdelegation nach China – der größten seit Langem. Damit zeigte er China, wie wichtig ihm das Land ist und worum es ihm in erster Linie geht, nämlich ums Geschäft. Merz verpflichtete sich damit, die Interessen der deutschen Wirtschaft ernst zu nehmen, die auch wegen eines Mangels an Realpolitik in einer existenziellen Krise steckt.
Transatlantische Partner und Koalitionspartner werden die Flexibilität und den Pragmatismus des Bundeskanzlers aufmerksam registriert haben. Denn wenn der Kanzler der deutschen Wirtschaft oberste Priorität einräumt, wird das zwangsläufig außen- und innenpolitische Konsequenzen haben.
Diplomatie statt Besserwisserei
Während seines Besuchs in Beijing wählte Merz zudem einen respektvollen Ton. Im Gegensatz zu einigen anderen deutschen Politikern sparte er sich öffentliche Belehrungen und demonstrative Konfrontation vor Ort. Stattdessen nahm er Chinas Angebot zu einem freundschaftlichen, produktiven Austausch an. Diplomatie bedeutet, Differenzen in einen strukturierten Dialog zu überführen. Realpolitik heißt nicht, Positionen aufzugeben, sondern sie so zu vertreten, dass sich Ergebnisse erzielen lassen.
In Deutschland schwankt man nach wie vor zwischen China-Alarmismus und Wirtschaftsrealismus, zwischen Faszination und Furcht vor Chinas Tempo. Die einen sehen China als systemischen Rivalen, die anderen als technologischen Beschleuniger für deutsche Unternehmen. Wirtschaftliche Interessen kollidieren oft mit geopolitischen Narrativen. Das jetzige Treffen auf höchster Ebene kann den Weg zu mehr Kooperation und weniger Konfrontation weisen.
Auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft
„An China kommt niemand mehr vorbei“, hat der Bundeskanzler zu Recht festgestellt. China ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands und ein zentraler Absatzmarkt der Welt. Für VW, BMW und Mercedes ist das China-Geschäft sogar überlebenswichtig. China setzt Standards in vielen Zukunftstechnologien. In 66 von 74 Schlüsseltechnologien liegt das Land laut internationalen Studien vorne. Eine massive Ingenieursdichte und eng verzahnte Lieferketten können auch deutschen Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Deutschland kann von China lernen, wie man langfristig strategisch plant, Genehmigungsverfahren beschleunigt, Innovationen schneller umsetzt und skaliert, industrielle Cluster bildet sowie Forschung, Produktion und Zulieferung konsequent vernetzt. Zugleich sollte Deutschland offensiv um chinesische Investitionen werben. Wenn chinesische Unternehmen in der Bundesrepublik produzieren, entstehen Arbeitsplätze, technologische Kooperationen und Marktnähe.
Die Arbeit oder sogar Einwanderung hochqualifizierter chinesischer Talente über den Gesundheitssektor hinaus würde Deutschland sehr helfen. Die Zeit für eine wirtschaftliche Annäherung ist günstig: China sucht angesichts der Abschottung durch die USA aktiv nach stabilen Partnern, während die US-Zollpolitik Europa zu einer strategischen Neuorientierung zwingt. Die EU braucht schnelle Reformen und pragmatische Lösungen statt Selbstblockade.
China und Deutschland können viel gemeinsam erreichen. Und da jetzt endgültig die realpolitische Phase der Beziehungen begonnen hat, können wir es auch anpacken: Los geht’s! – oder auf Chinesisch chū fā!
*Nils Bergemann ist studierter Journalist mit langer Erfahrung als Redakteur und Kommunikationsexperte bei Verlagen und anderen Unternehmen. Zuletzt arbeitete er fünf Jahre für die China Media Group. Weiterhin in Beijing lebend unterrichtet er seit 2023 Deutsch, Sprachwissenschaften und Wirtschaft an der University of International Business and Economics.
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