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Industrie-Upgrade: Chinas Fabriken steuern auf intelligente Fertigung zu |
| Sun Bing und Sun Tingyang* · 2025-12-05 · Quelle:cdd-online.com.cn |
| Stichwörter: Fertigungsindustrie;Smart Factories |
Angeleitet durch die staatliche Strategie zum Aufbau einer starken Fertigungsnation hat China in den letzten Jahren historische Erfolge bei der Aufwertung seiner Fertigungsindustrie erzielt. Seit 15 Jahren liegt das Land beim Gesamtumfang dieses Industriesektors weltweit vorne.
Eine große Fertigungsindustrie allein aber reicht nicht. Es kommt auf die Stärke dieser Industrie an. China fördert daher gezielt die intelligente Fertigung als zentrale Ausrichtung für die Zukunft und strebt mit hohem Tempo grundlegende Umwälzungen sowohl in den Herstellungsverfahren als auch in den Unternehmensstrukturen an.
Weltpremiere am 1. März 2025: In der Zeekr 5G Smart Factory von Geely in Ningbo in der Provinz Zhejiang trainieren Ingenieure diese Staffel humanoider Robotern darauf, über komplexe Aufgabenbereiche hinweg in einer realen Fabrikumgebung zusammenzuarbeiten.
Fertigungs-Upgrade mit Fokus auf Smart Factories
Das laufende Jahr markiert den Abschluss des 14. Fünfjahresplans und gleichzeitig eine entscheidende Phase, in der die letzten Weichen für den 15. Fünfjahresplan gestellt werden. Als Hauptträger der intelligenten Fertigung rücken insbesondere intelligente Fabriken in den Fokus. Denn sie formen das Herzstück der digitalen Transformation, ja sind entscheidend für den Aufbau eines smarteren Fertigungssektors. Ob auf nationaler oder lokaler Ebene – China hat seine entsprechenden Maßnahmen in den letzten Jahren kontinuierlich ausgeweitet und intensiviert.
Bereits seit dem vergangenen Jahr führen sechs Behörden, darunter das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, die Nationale Kommission für Entwicklung und Reform sowie die Kommission beim Staatsrat zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen, eine gemeinsame Aktion zur stufenweisen Förderung intelligenter Fabriken durch. Dabei haben sie vier Kategorien für Smart Factories definiert: Basic, Advanced, Excellence und Pioneer. Ziel ist es, mehr chinesische Fabriken zu intelligenter Fertigung zu bewegen und damit die intelligente Produktion insgesamt aufzuwerten.
„Vor über einem Jahrzehnt begann China damit, einen Plan für die intelligente Fertigungsindustrie zu erstellen und diesen Sektor gezielt zu fördern. Inzwischen haben wir bemerkenswerte Erfolge erzielt“, sagt Jiang Baihua, Mitglied des Nationalen Expertenkomitees für intelligente Fertigung und des Nationalen Expertengremiums für die Standardisierung dieses Bereichs. Allerdings seien nach und nach zahlreiche tiefgreifende Probleme und Erfordernisse zutage getreten, räumt er ein. Das gelte etwa für Bereiche wie Prozess- und Lieferkettenoptimierung, die Koordination der Produktionskette oder die Integration neuer Technologien wie künstliche Intelligenz. „All dies macht es nötig, dass unser Land seine intelligente Fertigung weiter modernisiert“, so der Experte. Die Gemeinschaftsinitiative der genannten sechs Behörden gebe dabei konkrete Leitlinien vor.
Li Muzhai, Assistenzforscher am Institut für Industriepolitik des China Center for Information Industry Development (CCID), erklärt, Chinas energischer Vorstoß beim Aufbau intelligenter Fabriken sei eine notwendiger Reaktion auf die neue globalen Welle des wissenschaftlich-technologischen Fortschritts und des industriellen Wandels. Es handle sich gleichzeitig auch um eine proaktive Maßnahme, um neuartige Produktivkräfte im Land zu entwickeln und ein modernes Industriesystem aufzubauen. Letztlich gehe es darum, eine strategisch günstige Position in der neuen Runde des globalen Wettbewerbs der Fertigungsindustrie einzunehmen.
Li sagt: „Smart Factories integrieren Informationstechnologien der neuen Generation tiefgreifend in alle Bereiche der Fertigung, was es ermöglicht, alle Verfahren und Abläufe schrittweise intelligent zu machen und ein datengetriebenes, ganzheitliches Prozessmanagement zu etablieren.“ Im Kern gehe es um einen Paradigmenwechsel in der Produktion. „Noch wichtiger ist jedoch, dass intelligente Fabriken nicht nur eine Transformation einzelner Produktionsstätten bedeuten, sondern die kollektive Wandlung ganzer Produktions- und Lieferketten. Genau deshalb betonen wir die Wichtigkeit, die leitende Rolle intelligenter Fabriken voll zur Geltung zu bringen.“
Monitoring der Zukunft: Mit VR-Ausrüstung überwacht dieser chinesische Ingenieur die Betriebsabläufe in der Lotus Global Smart Factory in Wuhan in der Provinz Hubei. Hier fließen bereits heute digitale, intelligente und visuelle Verfahren in den gesamten Design- und Montageprozess mit ein.
Nicht nur relevant für Großunternehmen
„Der Aufbau intelligenter Fabriken ist nicht nur eine Domäne der Branchenführer, sondern letztlich ein Muss für alle Unternehmen in diesem Sektor“, sagt Experte Jiang Baihua. Unter den mehr als 500.000 Fertigungsunternehmen in China mit einem Jahresumsatz von über 20 Millionen Yuan (etwa 2,4 Millionen Euro) stellten kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) die überwiegende Mehrheit dar, unterstreicht er, wobei die meisten in Privatbesitz seien. „Diese Firmen sind ein unverzichtbarer Bestandteil und eine wichtige Triebkraft für die Transformation und Aufwertung der chinesischen Fertigungsindustrie.“
Bei dieser Transformation stünden die chinesischen KMUs allerdings weiterhin vor großen Schwierigkeiten, hauptsächlich aus drei Gründen, wie Jiang betont. Erstens gebe es Kapital- und Ressourcenbeschränkungen. „KMUs treten oft als Zulieferer von Komponenten oder Zwischenmaterialien auf und nehmen deshalb eine eher passive Position in der Produktionskette ein.“ Die digitale Transformation erfordere allerdings kontinuierliche Investitionen. „KMUs arbeiten oft mit nur geringen Gewinnspannen und stehen daher häufig vor einem Dilemma zwischen Überleben und Wachstum.“
Zweitens mangele es an Technologie und Fachkräften. „Bei vielen mittelständischen Betrieben sind die Anlagen unzureichend vernetzt und ihre Fähigkeit zur Datenerfassung und -analyse ist begrenzt. Es fehlt ihnen daher die Grundlage für intelligente Entscheidungsfindung.“ Außerdem zögerten hochqualifizierte Fachkräfte, sich beruflich für KMUs zu entscheiden, so Jiang, und selbst erhebliche Investitionen in die Personalbeschaffung reichten oft nicht aus, um Spitzenkräfte langfristig zu halten.
„Drittens sind schlanke Managementmodelle, sogenanntes Lean Management, noch nicht weit verbreitet. Die Produktionsprozesse sind oft grob strukturiert, wobei Probleme wie fragmentierte Arbeitsabläufe und sich überschneidende Produktionsflüsse immer noch an der Tagesordnung stehen.“ All dies erschwere die Standardisierung.
Die genannte Förderaktion will hier nun Abhilfe schaffen. In deren Rahmen betreut die Regierung die Unternehmen gezielt mit einem mehrstufigen Ansatz. Diese ermögliche es, konkrete technische Hürden gut zu überwinden, sagt Jiang. Die eigentliche Schwierigkeit bestehe im Wandel der Denkweise. „Für KMUs sollte die intelligente Transformation daher ein Projekt der obersten Verantwortlichen sein. Das Management muss sich der strategischen Tragweite dieses Schrittes voll und ganz bewusst sein“, sagt er.
Im Zuge der Entwicklung der intelligenten Fertigung werden die politischen Richtlinien für verschiedene Orte und Branchen stetig optimiert und speziell auf KMUs ausgerichtete Lösungsansätze ausgearbeitet. Immer mehr kleine und mittlere Betriebe im Land haben die Wichtigkeit der digitalen und smarten Wende für ihre nachhaltige Unternehmensentwicklung erkannt. Sie ist nicht nur eine Notwendigkeit für Wachstum, sondern entscheidet letztlich sogar über den Fortbestand vieler Firmen. „Viele herausragende KMUs haben nach der digitalen Transformation ihre Branchen in völlig neue Bahnen gelenkt und damit erhebliche Entwicklungsimpulse erfahren, deutlich zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität“, resümiert Jiang.
Einblicke in die Automatisierung: 2024 konnten Messebesucher in Beijing bestaunen, wie ein vollautomatischer Schweißroboter für Autokarosserien in einer intelligenten Fertigungsfabrik arbeitet.
Nicht alles über einen Kamm scheren
Jiang warnt aber vor einer Verallgemeinerung. „Transformation und Aufwertung sind natürlich branchen-, phasen- bzw. größenspezifisch abzustimmen, auch zeitliche und örtliche Aspekte muss man im Blick behalten“, rät er. Expansion oder Modernisierung dürften nicht um ihrer selbst willen geschehen. Der Fertigungsprozess müsse klar das Herzstück bleiben, wobei der Fokus auf effizienten, reibungslosen Abläufen und der Stärkung der Kompetenz liegen müsse. „Lean Management wäre ein wirksamer Ausgangspunkt, um dies zu erreichen“, sagt er.
Li Muzhai schlägt zur Überwindung der genannten Schwierigkeiten eine ganze Reihe von Ansätzen vor: „Erstens müssen wir Unternehmen durch staatliche Beratung und politische Unterstützung dabei helfen, Richtung und Wege für die smarte Transformation auszuloten. Zweitens gilt es, die Entwicklung und Nutzung von intelligenten Fertigungsanlagen, industrieller Software und entsprechenden Strukturen zu stärken und rasch Anbieter smarter Fertigungssystemlösungen herauszubilden. Drittens brauchen wir ein industrielles Ökosystem, in dem große, mittlere und kleine Unternehmen unter Federführung von Spitzenfirmen koordiniert zusammenwirken. Viertens ist es nötig, einen sukzessiven Ansatz zu verfolgen, bei dem Unternehmen Erfahrungen darin sammeln, Fertigungsprozesse und -techniken entsprechend der eigenen Geschäftsentwicklung schrittweise zu ersetzen und zu verbessern, sodass sie allmählich zu Smart Factories höherer Ebene übergehen.“
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Qualitativer Wandel kündigt sich an
„Tausend intelligente Fabriken, tausend Hamlets.“ So bringt Hao Yucheng die Komplexität intelligenter Fertigungssysteme auf den Punkt. Hao ist ebenfalls Mitglied des Nationalen Expertenkomitees für intelligente Fertigung sowie stellvertretender Leiter des Nationalen Beratungsgremiums für die Standardisierung der intelligenten Fertigung. Letzteres schultert gerade die Hauptaufgabe, Standards für die intelligente Fertigung festzulegen.
Hao erläutert, eine intelligente Fabrik an sich sei eine neuartige Fabrikform, die Informationstechnologien neuer Generation wie das Internet der Dinge, Big Data und KI anwende, um Produktionsanlagen, -prozesse und -betrieb in jeder Hinsicht intelligent zu gestalten. Ihr Wesen bestehe darin, durch Mensch-Maschine-Interaktion und datengestützten Betrieb ein Produktionssystem aufzubauen, das sich durch fünffache Autonomie auszeichne: autonome Wahrnehmung, autonomes Lernen, autonome Entscheidungsfindung, autonome Ausführung und autonome Anpassung. Intelligente Fabriken werden damit zu einem wichtigen Träger der intelligenten, umweltfreundlichen und hochwertigen Transformation der Fertigungsindustrie. „Angesichts des rasanten Fortschritts und der schnellen Erneuerung von KI rückt der qualitative Wandel immer näher“, so der Experte.
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Hao sieht die Fertigungsindustrie als geradezu idealen Anwendungsbereich für KI. Wenn KI-Technologie tief in alle Prozesse eines Unternehmens integriert sei – von Design, Forschung und Entwicklung über Produktion und Geschäftsmanagement bis hin zur Modellinnovation –, werde ein transformativer Wandel in mehreren Dimensionen verwirklicht: höhere Effizienz, bessere Qualität, geringere Kosten und innovationsgetriebene Entwicklung.
„Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Hebel für ein Upgrade der intelligenten Fertigung. Obwohl KI bereits vor einem Jahrzehnt, als die intelligente Fertigung noch in den Kinderschuhen steckte, eine Schlüsseltechnologie war, liegt der Schwerpunkt derzeit auf der tiefen Integration“, betont der Experte. „Intelligente Fertigung beschleunigt nicht nur die qualitative Aufwertung der Fertigungsindustrie, sondern erzeugt auch erhebliche Spillover-Effekte. Ein sehr auffälliger Trend der letzten Jahre ist beispielsweise die Zunahme intelligenter Fabriken in der Landwirtschaft in kontrollierter Umgebung (CEA). Die Spillover-Effekte weiten sich also bereits in den Agrarsektor aus. Von der Kartoffelpflanzung bis zur Schweinezucht wandelt sich nun die traditionelle landwirtschaftliche Produktion hin zum Modell der Fertigungsindustrie.“
*Sun Bing und Sun Tingyang sind Journalisten der China Economic Weekly.
Die Meinung der Autoren spiegelt nicht unbeding die Position unserer Website wider.
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