22-08-2013
Kultur und Kunst
Chun Arthur Wang: Künstler zwischen den Welten
von Ji Jing

 Das Leben in den USA hat einen einzigartigen chinesischen Stil hervorgebracht.

 

Grüne Versuchung

Weiße Birke

Der Maler Chun Arthur Wang, Professor am Columbus College of Art & Design in Ohio, zog erstmals 1992 in die USA. Möglicherweise ist sein Englisch mittlerweile besser als sein Mandarin und er lebt im „Westen", aber seine Kunst durchdringt weiterhin ein starkes asiatisches Gefühl.  

Während jahrelangen Experimentierens entwickelte Wang seinen eigenen Stil, in dem er traditionelle chinesische Techniken mit westlicher Ölmalerei kombiniert, und erntete dabei viel Anerkennung von amerikanischen Künstlern. Seine Arbeiten werden nun sowohl an private Sammler als auch öffentliche Institutionen verkauft.

Wangs Gemälde führten den Betrachter in eine ruhige und friedliche Welt, sagt Kunstkritikerin Ann Starr. Auch wenn sie den Künstler nie persönlich getroffen hat, erkennt sie sofort die Ästhetik chinesischer Kultur in seinen Werken.

Wangs Herz und Bauch sind tief im Osten verwurzelt, seine Lieblingsplätze in den USA sind die Chinatowns und sein Lieblingsessen ist gedämpfter Fischkopf mit kleingehackter Peperoni aus seiner Heimatstadt in Hunan.

"Je länger ich in den Staaten bleibe, desto mehr vermisse ich meine eigene Kultur", erklärt er.

 

 Die andere Seite der Welt

Jedes Mal, wenn er nach China zurückkehrt, macht Wang einen Besuch auf dem Land. Jenseits der riesigen, ständig wachsenden Städte sind es vor allem Chinas 55 ethnische Minderheiten, die ihn inspirieren.

Im März diesen Jahres veranstaltete er in Muscatine County eine Ausstellung unter dem Titel "Die andere Seite der Welt".

"Anstatt geschäftige Städte zu malen, habe ich mich entschlossen, mich auf das ruhige und poetische Leben der Minderheiten in meiner Heimat zu konzentrieren", sagt er. „Ich mache mir große Sorgen, dass ihre Kultur und Ehrlichkeit, ihr Unternehmergeist, ihre Aufrichtigkeit und ihr Mitgefühl unter dem Einfluss des Konsumdenkens auf der Strecke bleiben."  

Anders als der Westen, der sich auf Chinas schnelles Wirtschaftswachstum konzentriert, wählte Wang eine weniger bekannte Facette des heimatlichen Lebens.

"Ich habe eine große Vorliebe für die Darstellung des Lebens und der Kultur der Minderheiten. Ihre geheimnisvollen Religionen, ihre wunderschönen Trachten,  ihr Kunsthandwerk und ihre starken Familienbindungen begeistern mich", fügt er hinzu.

"Es ist sehr schade, dass die traditionellen Kulturen mit dem schnellen Wirtschaftswachstum und der Ausdehnung der Städte in alarmierend hohem Tempo verschwinden", so Wang.

 

 Ein Schlüssel zur Freundschaft

Im Muscatine Art Center hängt Wangs Gemälde mit dem Titel „Der goldene Schlüssel von Muscatine". Es zeigt, wie der chinesische Staatspräsident Xi Jinping zwei goldene Schlüssel von der Stadt im Bundesstaat Iowa erhält.

Als junger Funktionär aus Zhengding in der Provinz Hebei besuchte Xi 1985 Muscatine. Er war mit einer Delegation unterwegs, die landwirtschaftliche Technologien studierte. Um den amerikanischen Alltag kennen zu lernen, wohnte er bei einer Familie und erhielt später den goldenen Schlüssel für seine Förderung der Verbindungen von Zhengding und Muscatine. 2012 besuchte er seine alten Freunde in Muscatine erneut und erhielt einen zweiten goldenen Schlüssel.  

"Die Leute waren gerührt, dass Xi seine Gastfamilie nicht vergessen hatte, die ihn während seines ersten Besuchs drei Tage lang beherbergte. Die Freundschaft zwischen Xi und ganz gewöhnlichen Amerikanern beeindruckte viele Chinesen, mich eingeschlossen", sagt Wang.

Er habe die stadtbekannte Norbert F. Beckey Bridge und den Mississippi im Hintergrund als Symbole der Partnerschaft zwischen China und den USA genutzt, erklärt Wang. Hinter einigen verheißungsvollen Wolken befinden sich zwei traditionelle chinesische Tore in Zinnoberrot. „Diese Tore symbolisieren den Beginn der Freundschaft zwischen beiden Ländern und die Vermischung der beiden Kulturen", so Wang.  

"Seit er im vergangenen November zum Generalsekretär der KP Chinas gewählt wurde, hat Xi etwas getan, dass die Leute wirklich mögen. Die Leute denken, dass er anders ist. Sie erwarten eine Menge von ihm."

In Zukunft will Wang etwas Neues ausprobieren: Er will moderne Computertechnologie mit östlicher Kunst verbinden. Wo auch immer seine kreative Energie ihn hinführt, er werde seiner Familie stets zu Dank verpflichtet sein, sagt Wang. „Auch wenn sie meinen Weg vielleicht nicht verstehen, haben sie mich immer unterstützt", erzählt er. „Es sind freundliche und großzügige Leute. Ihre tiefe Liebe zu unserer Heimatstadt in Hunan hat meine Bindung zu China verstärkt."

 

 

 

 

 

Der Goldene Schlüssel von Muscatine

 

Beim Unterricht: Professor Wang Chung gibt einem Studenten Anweisungen für sein Gemälde.

 

Fischsuppe

 

(Mit freundlicher Genehmigung von Wang Chun)