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Aber Chinesisch sprechen wir hier nicht – oder etwa doch? Sinologen und ihre Erfahrungen mit der Arbeitswelt

von Edith Stifter  ·   2015-09-09  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Chinesisch
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Interesse an einer fremden Kultur, Sprache, Essen, eine Beziehung … so verschieden das Interesse am Sinologiestudium, so verschieden sind auch die Lebenswege der Sinologen, die dennoch Parallelen ausweisen.  

Interkulturelle Kompetenz, Disziplin, politisches und wirtschaftliches Verständnis: Vieles, was man im Sinologiestudium lernt, sollte später im Berufsleben nützlich sein. Doch die seit Jahren andauernden Wirtschaftskrisen und der schärfere Ton am Arbeitsmarkt treffen alle und kaum jemand kann seinen Lebensweg heute noch planen. 

Wie sich die Suche nach einer geeigneten Stelle, in der man seine Fähigkeiten am besten einsetzen kann, für Sinologen gestaltet, wollte die Redaktion der Beijing Rundschau, nach einer Diskussion über die Berufschancen von Germanisten in China, wissen. 

Chinesisch gilt als eine der Sprachen, die für deutsche Muttersprachler am schwersten zu erlernen sein soll. Tatsächlich brauchen die meisten wesentlich länger, um flüssiges Chinesisch zu sprechen, als dies beispielsweise für Spanisch der Fall ist. Und so gut wie jeder, der Chinesisch lernt, hatte zwischendurch Zweifel, ob sich diese Mühen auch lohnen würden. 

Die meisten wählen das Studium aus Interesse und wohl auch, um sich im Zeitalter der Globalisierung durch Sprachkenntnisse ein wenig von den anderen Bewerbern am Arbeitsmarkt zu unterscheiden. Doch bringt das wirklich den geplanten Vorteil am Arbeitsmarkt? 

Wofür studiert man überhaupt Sinologie? Bei der Universität Leipzig erfährt man: „Der berufliche Einstieg kann durch zielgerichtete Wahlbereichsentscheidungen, studienbegleitende Praktika, sowie anschließende Traineeprogramme (u.ä.) erleichtert werden." Wer also glaubt, das Sinologie-Studium sei auch nur annähernd eine Berufsausbildung, liegt wird hier ehrlicherweise von vorneherein eines Besseren belehrt. 

Die Sinologie an der Universität Wien zählt recht großzügig folgende mögliche Berufsfelder für Absolventen auf: „transnationale Kultur- und Bildungsarbeit, Tourismus, Massenmedien, Diplomatischer Dienst, nationale und internationale Organisationen (Entwicklungspolitik), Wissenschaft, bilaterale Wirtschaftsbeziehungen, Unternehmen im chinesischen Kulturraum, internationale Unternehmen, die den chinesischen Markt bearbeiten und Consulting." 

Dass Sinologen nicht ohne weiteres zur Aufnahmeprüfung für den höheren Diplomatischen Dienst in Österreich gehen dürfen und dass man den Eintritt in die UN am besten schon im Kindergarten vorbereitet, fällt dabei ein klein wenig unter den Tisch. Die großen Karrieren bleiben oft denen mit einem Doppelstudium vorbehalten, aber auch das bringt keine Jobgarantie mehr, denn wenn man Pech hat, wird man bei Bewerbungen im Gebiet des zweiten Studiums nur als „Chinaexperte" wahrgenommen, der möglichst bald nach China auswandern will. Der Satz „aber Chinesisch sprechen wir hier nicht" wurde daher schon hin und wieder bei Vorstellungsgesprächen gehört. 

Auch im Norden Deutschlands, wo der Horizont traditionell weniger eingeschränkt ist, gelten Chinesischkenntnisse manchmal bloß als teure Zusatzqualifikation, die man eigentlich gar nicht brauchen kann. 

Doch halt, das Sinologiestudium ist deutlich mehr als eine Sprachausbildung! Die Institute im deutschsprachigen Raum haben alle unterschiedliche Schwerpunkte und Sinologen haben am Ende des Studiums wesentlich mehr Fähigkeiten anzubieten, also „bloße" Sprachkenntnisse. 

 

Das Wörterbuch bleibt ein Leben lang ein wichtiges Werkzeug. 

Gerade die Chinesischkenntnisse sind sicher das am ehesten verflüchtigendste Wissen der sinologischen Angebotspalette. Wer sein Chinesisch – genauso wie die eigene Muttersprache – nicht regelmäßig übt, wird dieses Wissen bald verloren haben. 

Sinologen aus Deutschland und Österreich teilten mit der Beijing Rundschau ihre Erlebnisse. Die meisten sind noch nicht sehr lange mit dem Studium fertig oder begannen ihr Berufsleben zur Zeit der globalen Wirtschaftskrise. Mit einer langen Jobsuche kommen dann oft Zweifel an der Wahl des Studiums, genauso wie den eigenen Fähigkeiten. 

Wer schon mal längere Zeit nach Arbeit gesucht hat, kennt vielleicht das Gefühl, wie es ist, zusehen zu müssen, wie die eigene Lebenszeit vergeht und man selbst auf der Stelle tritt. Wie es ist, wenn man keine langfristigen Termine mehr vereinbaren will, denn man könnte dann ja schon Arbeit – irgendwo auf der Welt – gefunden haben. Der weiß vielleicht auch, wie es ist, an den eigenen Fähigkeiten und Lebensentscheidungen zu zweifeln. Denn man findet keine Arbeit, „weil niemand auf eine Sinologin wartet", „weil das Chinesisch nicht gut genug ist", weil man „das falsche studiert" hat…. 

Das glaubt man oft sogar dann noch, wenn man feststellt, dass man Bewerbungsgespräche bei Personen geführt hat, deren Werdegang eigentlich nicht beeindruckender als der eigene ist. 

Dass ein Netzwerk – oder Guanxi – am Ende einer der wichtigsten Faktoren bei der Jobsuche ist, zeichnet sich für alle früher oder später ab und bei Pendlern zwischen zwei Kulturen ist es gar nicht so einfach, überall Kontakte zu haben. Gut vernetzt in China keine Jobsorgen zu können bedeutet noch lange nicht, dass dies nach der Rückkehr noch so sein wird – und umgekehrt. 

Trotz der unterschiedlichen Ausbildungen, verschiedenster zusätzlicher Qualifikationen, vielfältiger Ziele ähneln sich die Probleme der meisten. 

Das Studium wurde immer aus Interesse gewählt, mit Blick auf Chinas wachsende Rolle im sowohl internationalen System als auch auf die stärker werdenden wirtschaftlichen Verflechtungen mit China. Klar, die oft „sprechen die Chinesen eh alle Englisch", aber mit dem wachsenden Selbstbewusstsein des Landes, sollte man sich in Europa langsam auf selbstbewusstere Partner einstellen. 

Und die „teure Zusatzqualifikation" kommt den meisten Arbeitgebern nicht ungelegen, wenn man dann doch mal einen Dolmetscher braucht. 

Wie es unterschiedlichen Sinologen bei ihrer Suche nach einem Beruf ergangen ist und was sie dabei erlebt haben, stellen wir Ihnen anhand der Portraits von sieben Sinologen aus Deutschland und Österreich vor. 

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