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„Wir müssen Deutschland und seine Sprache innig lieben“

Von Zhao Piao  ·   2017-08-24  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Deutsch;Bildung;Studium
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Anmerkung der Redaktion: Anlässlich des 45-jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland wird die Beijing Rundschau eine Interviewserie mit ehemaligen Studenten aus beiden Ländern durchführen, die während dieser knapp fünf Jahrzehnte das jeweils andere Land zum ersten Mal besuchten. Die Befragten werden eingeladen, über ihre eigenen Erlebnisse und Gefühle während des Studiums im Ausland zu erzählen, um den kulturellen Austausch und das gegenseitige Lernen zwischen China und Deutschland in den vergangenen 45 Jahren auf zwischenmenschlicher Ebene lebendig werden zu lassen. 

Unser erster Gesprächspartner in dieser Serie ist Prof. Liu Liqun von der Fremdsprachenuniversität Beijing. 

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„Bei jedem Austausch zwischen zwei Ländern geht es um die zwischenmenschliche Kommunikation – sie ist letztlich das entscheidende Element. Und das größte Hindernis für den Austausch zwischen China und Deutschland ist in den schwierigen Sprachen beider Länder zu suchen. Unter den fast 1,4 Milliarden Chinesen können nur sehr wenige richtig gut Deutsch, während in Deutschland eine noch kleinere Anzahl der über 80 Millionen Einwohner fließend Chinesisch spricht. Daher sollten diejenigen, die beide Sprachen beherrschen, als Brücke zwischen beiden Staaten dienen“, sagt Liu Liqun, Professor der Deutschabteilung an der Fremdsprachenuniversität Beijing, über die Wichtigkeit des Fremdsprachenlernens beim chinesisch-deutschen Austausch.  

„Hätte ich nicht Deutsch gelernt, wäre es mir unmöglich gewesen, meine theoretischen Forschungsarbeiten durchzuführen. Und wenn ich nicht in Deutschland studiert hätte, dann hätte ich meine theoretische Forschung, insbesondere im Bereich der Philosophie, auch nicht vertiefen können", erklärt Liu, dessen Forschungsschwerpunkte die deutsche Außenpolitik und Philosophie sind. Im Jahr 1972 nahmen die Volksrepublik China und die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen auf. Im selben Jahr begann der damals 18-jährige Liu Liqun damit, an der Zweiten Fremdsprachenuniversität Beijing Deutsch als Hauptfach zu studieren – als einer der ersten Studenten der Deutschabteilung seit dem Beginn der „Kulturrevolution“. 

In der Tat hatte Lius Geschichte mit Deutsch als Fremdsprache bzw. Deutschland schon einige Zeit vorher begonnen. Im Jahr 1963 hatte die Fremdsprachenschule Beijing einen Sprachkurs für Deutsch eingeführt, und der damals 9-jährige Liu Liqun folgte dem Vorschlag seines Vaters – der selbst Ingenieur war und die deutsche Industrie bewunderte – und wählte Deutsch als seine erste Fremdsprache. Somit wurde er einer der ersten Schüler des Deutschkurses dieser Fremdsprachenschule. Nach seinem Bachelor-Abschluss (1975) arbeitet er für drei Jahre als Übersetzer in der „Beijinger Chemiefabrik Nr. 2“. Im September 1978 wurde er an der Universität Peking zum Studium zugelassen – und später einer der ersten Magister-Absolventen nach der „Kulturrevolution“. Somit hatte der 1954 geborene Liu insgesamt dreimal das Glück, unter den ersten Deutschstudierenden des Landes zu sein, denen sich neue Chancen boten. Der inzwischen 63-jährige Professor beschäftigt sich seit 54 Jahren mit Deutschland und der deutschen Sprache. 

Als Gelehrter auf dem Feld chinesisch-deutscher Beziehungen hat Prof. Liu Liqun seit 1986 insgesamt sieben Mal Deutschland besucht und viermal in Deutschland studiert. Inzwischen sind über 30 Jahre vergangenen, in denen sich die bilaterale Zusammenarbeit und der Austausch in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Bildung rasant entwickelt und enorme Fortschritte erzielt hat. 

Im September 1986 kam Liu mit der Delegation des Volksverlags auf Einladung des Dietz-Verlags in Ostberlin zum ersten Mal nach Deutschland. Er könne sich noch deutlich daran erinnern, dass es in der damaligen DDR überall Schwarz-Weiß-Fotos und -Fernseher zu sehen gab, so Liu, während in China zur selben Zeit die Farbfotografie und Farbfernseher schon damit begonnen hatten, den Markt im Sturm zu erobern. 

Mit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik 1978 erlebte die chinesische Volkswirtschaft eine rasante Entwicklung. Auch in Deutschland erfuhren die ostdeutschen Bundesländer nach der Einigung große Veränderungen, während sich in Westdeutschland mit seiner bereits hochentwickelten Wirtschaft zunächst nicht viel änderte. 

Hinsichtlich dieser „Kontinuität“ Deutschlands erinnerte sich der Professor an eine kleine Geschichte. Liu war bisher zwei Mal in Heidelberg. Im Oktober 1989 kam er erstmals zum Studieren, und ziemlich genau 25 Jahre später nahm er im Juli 2014 an einer Sitzung in Heidelberg teil. In der Universitätsbibliothek traf er einen Bibliothekar, der schon vor 25 Jahren dort gearbeitet hatte. „Ich erkannte ihn auf den ersten Blick. Er war natürlich älter geworden, aber ansonsten hatte er sich fast nicht verändert“, sagte Liu lachend. Zudem hätten sich auch die Straßen und Gebäude in der Altstadt von Heidelberg kein bisschen verändert. 

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