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„Ich habe in meinem Leben das gemacht, was mir wichtig war.“

Von Sabine Weber  ·   2017-10-19  ·  Quelle:China Heute
Stichwörter: Alfons Labisch;Kultur;China
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Doch bis zu seinem ersten Besuch in China sollte es noch dauern. Labisch selbst bedauerte es, bis dahin keine Gelegenheit gehabt zu haben, China zu besuchen. Doch habe er damals keinen Kontakt zu Land und Leuten gehabt – und als bloßer Tourist umherzuirren, dazu hatte und hat er bis heute schlicht und einfach keine Lust. Dieser „Kontakt“ spazierte letztlich in Form von drei engagierten jungen Herren in sein Dienstzimmer, diesmal als Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Es waren der Leiter des Akademischen Auslandsamtes, Dr. Werner Stüber, Dr. Peter Hachenberg als Direktor des Universitätssprachenzentrums (der in den 1980er Jahren bereits für fünf Jahre als Deutschlehrer an der BFSU gearbeitet hatte) und der soeben an der Universität Bonn promovierte Dr. Li Xuetao (heute Professor und Direktor des Instituts für Globalgeschichte an der BFSU). Diese drei Herren trugen die Idee vor, das damals – es war das Jahr 2004 – neue Konzept der Konfuzius-Institute auch in Düsseldorf zu verwirklichen. Dazu war die Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität nötig. Rektor Labisch war sofort angetan und unterstützte das Projekt nach Kräften. So wurde er bei der Gründung des Konfuzius-Institutes Düsseldorf im Dezember 2006 nicht nur Vorsitzender des Trägervereins, sondern zugleich Mitglied des Councils des Hanban, des zentralen Büros aller Konfuzius-Institute in Peking. Dies bedeutete, dass er in seiner Zeit als aktives Mitglied des Councils von 2007 bis 2009 sowohl praktisch auf Institutsebene, als zugleich auch organisatorisch auf der globalen Aufsichtsebene tätig war. Dieses Privileg genießt Labisch im übrigen heute noch – als eines der wenigen Ehrenmitglieder nimmt er nach wie vor an den Projekten des Hanban teil. 

 

Von der Beijing Foreign Studies University (BFSU) wurde Historiker und Mediziner Alfons Labisch zum Universitätsprofessor honoris causa ernannt. Unser Bild zeigt Labisch gemeinsam mit Peng Long, dem Rektor der Universität, bei der Überreichung der Auszeichnung am 5. Dezember 2016 in Beijing. Eine Professur ehrenhalber ist die höchste akademische Auszeichnung der BFSU. 

„Aber das war ja nur der formale, der berufliche Weg. Ich war auch persönlich an der chinesischen Gesellschaft und Kultur interessiert. China ist immerhin die einzige Kultur der Menschheitsgeschichte, die sich über einen Zeitraum von mindestens über 2500 Jahren hinweg im gleichen geographischen Raum entwickelt hat, immer noch dort lebt und – wie wir alle sehen können – prosperiert.“ 

Durch diese geographische Lage habe sich eine sozial- und geistesgeschichtliche Entwicklung ermöglicht, welche völlig verschieden zur Welt Europas verlief. Die Grundfragen menschlichen Seins und menschlicher Welterfahrung – das Verhältnis der Menschen zu sich selbst, das Verhältnis der Menschen zur Gesellschaft und schließlich ihr Verhältnis zur Natur – wurden auf eine andere Art und Weise beantwortet, als dies auf der anderen Seite der Welt der Fall war. Dies führte zu einer anderen Sicht der Welt, und zwar einschließlich der Sicht auf Wahrheit und auf die Art, wie wahre Aussagen gewonnen werden können und was diese Aussagen für das Leben der Menschen bedeuten: China ist anders ! Eben diese „Andersheiten“ machen den interkulturellen Dialog mit China so faszinierend: Die chinesische Weltsicht zeigt Alternativen auf, die zum Spiegel der eigenen Weltsicht werden. Dies gilt für die alltäglichen Dinge des Lebens, für die kulturellen Techniken, für die Ordnung von Person, Familie und Gesellschaft, dies gilt für das Verhältnis zur Natur, dies gilt schließlich für Wissenschaft, Philosophie und Religion: ein so großes Land, eine so lange Geschichte, so viele Menschen – dies alles ohne Staatsreligion, dies hat die großen europäischen Philosophen seit der Aufklärung ebenso fasziniert – wie etwa Leibniz – oder auch abgestoßen – wie etwa Hegel. Im Spiegel Chinas gewinnt Europa einen neuen Blick auf das Selbst und auf die eigene Weltsicht. Es sind damit die Differenzen und Reibungspunkte, die für Labisch das Potential bieten, um näher an das Verständnis der ‚conditio humana’ und damit der Lage der Menschen überhaupt zu gelangen: welche Handlungsmöglichkeiten sind in den Menschen angelegt, wie werden diese Optionen unter unterschiedlichen natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen wirklich? Das gilt selbstverständlich auch für den Fachwissenschaftler. Und so erscheint es plötzlich weniger überraschend, dass es einen Althistoriker, Sozialwissenschaftler und Arzt in den Vorstand einer Organisation zog, welche sich primär der Verbreitung einer Kultur verschrieben hatte, deren geographischen Raum er bis dato nicht einmal selber besucht hatte. 

Wenn man nun spezifisch über den sinologischen Bezug seiner Forschungen spricht, so ist Alfons Labisch ganz Medizinhistoriker und Medizintheoretiker. „Das Verständnis von Krankheit und Gesundheit hat sich sowohl in Europa wie auch in China im Zeitraum 400 vor bis 200 nach Christus völlig gewandelt. Zugleich offenbart sich in der Wahrnehmung und Deutung von menschlicher Gesundheit und Krankheit eine völlig neue Weltsicht – und dies keineswegs nur mit Blick auf die menschliche Natur, sondern auch mit Blick auf die Ordnung der Person, der Gesellschaft und der Welt.“ Wurden in den Jahrhunderten zuvor Krankheit oder körperliches Leid als Folge verstimmter Geister, Dämonen oder Ahnen gedeutet, so zeichnet sich in den Texten dieser Zeit ab, dass Krankheit als rein der Natur nach und damit entsprechend den Naturanschauungen der Zeit erklärt werden können. Der Körper des Menschen wird analog zum Verständnis der Natur aufgefasst. Und dieses Naturverständnis korrespondiert wieder mit dem Verständnis von Gesellschaft und der Ordnung des Gemeinwesens. Begrifflichkeiten, die zur Beschreibung von Natur verwendet wurden, werden auf den Körper angewendet; Zusammenhänge wurden auf Basis kausaler natürlicher Einflüsse verstanden. In diesem neuen Verständnis von Gesundheit offenbart sich die neue Definition des Menschen in seinem Verhalten zu Gesellschaft und Natur. In der europäischen Tradition beginnt dies mit Hippokrates, welcher Disharmonie im Körper durch Wechselwirkungen der vier Körpersäfte und deren Qualitäten begriff, die ihrerseits mit den vier Elementen und deren Qualitäten korrespondierten. Im antiken China finden sich dagegen die Zuordnungen einzelner Organfunktionen und Systeme des Körpers zu den fünf Wandlungsphasen. Obgleich beide Ansätze in ihren Hintergrundgedanken und Krankheitskonzepten völlig unterschiedlich sind, werden hier gleichzeitig Organe und Funktionen des Körpers mit der Sicht der Natur und deren Änderungen assoziiert. Das bedeutet, dass der menschliche Körper aus der Dämonologie, dem Animismus oder familiär-kultischen Beziehungen in eine naturalistisch-wissenschaftliche Weltsicht eingebettet wird.

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